Die Leuchtkaefer - Leben mit Dissoziativer Identitätsstörung
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Die Leuchtkaefer - ein Multiples System auf dem Weg ins Leben
Die Dissoziative Identitaetsstoerung (DIS, frueher auch Multiple Persoenlichkeitsstoerung, MPS, genannt,) praegt unser Leben ganz
entscheidend. Wir zeigen, wie wir leben und lernen, nach dem Missbrauch unser Leben aktiv zu gestalten statt nur zu ueberleben.
Wir haben die Seiten komplett umgebaut, sie bleiben in Zukunft der Thematik Missbrauch und vor allem dessen Folgen vorbehalten. Allerdings gibt es hier keine genaue Schilderung dessen, was uns passiert ist. Bestimmte Leute sollen nicht die Moeglichkeit haben, sich daran auch noch zu ergoetzen. Und jeder Mensch (ok, ich schraenke ein: jeder Mensch, der KEIN Taeter ist) weiss, wie entsetzlich eine Vergewaltigung schon für erwachsene Frauen ist. Wie schlimm ist es erst fuer ein Kind, das dieses Grauen taeglich von seinem Vater, Onkel, Opa, Bruder, Lehrer, einem Nachbarn oder anderen ertragen muss (in 85 % aller Faelle von Missbrauch stammt der Taeter aus dem nahen / familiaeren Umfeld)?
Was macht das mit der Seele eines (Klein-) Kindes, das noch nicht einmal einen Begriff davon hat, was ICH bedeutet? Es verhindert, dass dieses Kind jemals zu EINEM ICH werden kann. Dieses Grauen kann es nur physisch ueberleben, wenn es in seiner Seele einzelne Bereiche abgrenzt, die fein saeuberlich getrennt sind. Wie soll es sonst unter einen Hut bringen, dass der Papa, den es tagsueber liebhaben soll, von dem alle erwarten, dass es diesem Menschen mit Vertrauen begegnet, auch der Mensch ist, vor dem es nachts so masslose Angst hat?
Dabei ist dies nicht als bewusster Vorgang zu verstehen. Es passiert einfach, ohne dass dieses Kind etwas dafuer kann. Es beginnt damit, dass es sich zunaechst aus diesen Situationen weg "traeumt". Das nennt man Dissoziation. Die harmlose, alltaegliche Variante davon kennen viele Menschen z.b. vom Autofahren. Man bekommt gar nicht richtig mit, wie man die alltaegliche Strecke faehrt, das Auto findet den Weg sozusagen von allein - es fehlt einem "ein Stueck Film". Nur erfuellt dieses dissoziieren bei Missbrauchsopfern und anderen traumatisierten Menschen den Zweck, die Seele des Menschen vor dem, was der Koerper erlebt, zu schuetzen. Deshalb verselbstaendigen sich diese Zustaende des Weg-Seins bei fortgesetzter Traumatisierung zunehmend, bis sie als eigenstaendige Persoenlichkeiten erscheinen. Diese Art des Schutzes durch Abspaltung bewaehrt sich so gut, dass fuer viele neue Anforderungen auch neue Anteile der Seele entstehen. Nur haben die eben meist keinerlei Kontakt zueinander. Der Teil, der missbraucht wird, weiss nichts davon, dass ein anderer Teil voellig unauffaellig in den Kindergarten oder spaeter in die Schule geht, oder wieder ein anderer Teil z.b. begeistert auf Baeumen herumklettert und staendig widerspricht, waehrend ein weiterer Anteil stets und staendig versucht, Mutti und Vati ja alles Recht zu machen, um sie nicht zu veraergern, um Bestrafungen zu entgehen...
Die damit verbundenen Schwierigkeiten koennt ihr euch gut vorstellen, wenn ihr euch das einmal in Einzelheiten ausmalt:
Ein Nachbar hat beobachtet, wie "das Kind" eine Fensterscheibe eingeworfen hat. Irgendwann laeuft dieser Anteil des Kindes nach Hause, auf dem Heimweg kommt aber der Anteil, der es allen Recht machen will, nach vorn - denn zu Hause muss es wieder brav sein, um ja nicht aufzufallen, um ja keinen Aerger zu bekommen, Mutti und Vati sind sowieso schon staendig sauer auf das Kind. Dieser "brave" Anteil weiss nichts davon, dass der andere Anteil eben die Scheibe eingeworfen hat. Zu Hause die Eltern sind schon informiert, der Nachbar hat angerufen. Sie stellen "das Kind" zur Rede, was natuerlich - da dieser brave Anteil nichts davon weiss - alles abstreitet. Es weiss nichts von dem, was ihm da vorgeworfen wird, also kommt wieder ein anderer Anteil nach vorn. Denn vor diesem Problem stand "das Kind" schon oft - es wird mit Geschehnissen, angeblichen Uebeltaten (die ja meist nur ganz normale kindliche Streiche sind) konfrontiert. Also entstand im Lauf der Zeit in diesem Kind auch ein Anteil, der darauf spezialisiert ist, eine Sinn in fuer das Kind unsinnige Situationen zu bringen. So erfindet dieser Anteil aus dem Stegreif eine Geschichte, die er sich zusammenreimt, was passiert sein koennte. Da dem "Ausreden-erfinde-Anteil" aber jegliches Wissen darueber fehlt, was genau passiert ist, ist diese Geschichte als "Ausrede" leicht zu erkennen. Zusaetzlich zur Strafe wegen der eingeworfenen Scheibe wird es jetzt auch noch als ewige, unverbesserliche Luegnerin, der man ja sowieso nie etwas glauben kann, beschimpft. Dabei hat ja auch DIESER Anteil nichts getan. Er versucht nur, in die ihm voellig unverstaendliche Situation irgendeine Erklaerung zu bringen. Ueber kurz oder lang wird das Kind so voellig stigmatisiert, auch in der gesamten sozialen Umgebung. Was wiederum den Taetern sehr zu Gute kommt: Wenn dieses Kind sich wirklich jemandem anvertrauen sollte, ist es ja schon von vornherein als Luegner(in) mit bluehender Phantasie bekannt.
Nach unseren eigenen Erfahrungen kommt dann auch noch gezielte "Vorsorge" der Eltern hinzu: Eine Mutter, die sich aktiv im Elternrat engagiert, hat natuerlich das Vertrauen der Lehrer. Sie braucht nur ab und zu nebenbei die Bemerkung fallen zu lassen, dass das Kind sich staendig Luegen ausdenke, die Familie zerstoeren wolle, den Vater verletzen oder aehnliches. Da die Mutter ja so engagiert fuer das angebliche Wohl des Kindes arbeitet und zudem ja einen sehr angesehenen Beruf hat, wird ihr natuerlich jedes Wort geglaubt. Damit ist fuer die Taeter die Gefahr gebannt, jemand koennte dem Kind Glauben schenken, falls es doch einmal etwas erzeahlt.
10 Jahre spaeter erzaehlt die Mutter dann herum, das Kind sei nymphoman - womit sie dann damit auch klarstellt, dass die Eltern keine Schuld trifft an dem, was "das Kind sich leistet".
Was Erwachsene Kindern antun, will man oft nicht fuer moeglich halten. Erwachsene wie mein Erzeuger (ein Vater ist etwas anderes), deren Aufgabe es doch eigentlich ist, die ihnen anvertrauten Kinder in einem liebevollen Umfeld ins Leben zu begleiten, betrachten ihre Kinder als ihr Eigentum, als Besitz, mit dem sie tun und lassen koennen, was ihnen beliebt.
Wir sind dabei, die Seiten ueber uns als Viele zu gestalten. Auf den DIS - Seiten (Seiten ueber Dissoziative Identitaetsstoerung, auch Multiple Persoenlichkeitsstoerung genannt) zeigen wir, wie das Leben so ist, wenn man viele Seelen in einem Koerper ist. Wir sagen und zitieren einiges ueber das Enstehen der "Krankheit".
Falls ihr selbst Ueberlebende seid, bitte passt auf euch auf, wir verwenden weder Splats noch Spoiler. Auch fuer alle anderen: bitte seid beim Lesen achtsam zu euch. Wenn euch etwas zuviel wird, macht eine Pause und lest spaeter weiter, die Seiten werden auch dann noch da sein.
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Ich habe lange ueberlegt, was genau ich hier hinschreiben soll. Soll ich
hier hinschreiben, dass ich Ueberlebende bin? Oder soll ich es und
mich weiterhin verstecken?
Nein!!! Ich werde es nicht mehr verstecken, nicht mehr meine Scham, die
eigentlich die Scham der Taeter sein muesste, die Ueberhand
gewinnen lassen. Ja, ich bin als Kind missbraucht worden. Ja, es war so
schlimm, dass ich in meiner gesamten Persoenlichkeit fuer immer
veraendert wurde. Denn jede / jeder, dem das angetan wird, traegt
Schaeden davon, die ihn oder sie fuer den Rest des Lebens begleiten.
Sexueller Missbrauch ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann.
Er hat immer Folgen, nur die Art und Auspraegung unterscheiden sich von
Mensch zu Mensch.
Es fing an, als ich noch ein Kleinkind war. Ich konnte kaum laufen, da wurde
ich zum Spielzeug degradiert. Immer und immer wieder, jahrelang. Mein Vater
missbrauchte mich fuer sein egoistisches Vergnuegen. Und
behauptete, mich zu lieben. Meine Mutter sah weg, das war einfacher, als sich
damit auseinander zu setzen. Sie lebte ihr Leben - auf meine Kosten.
Ich wurde das, was man eine "Multiple Persoenlichkeit" nennt. Nur durch
Aufspaltung des Erlebten auf viele Personen konnte das Kleinkind von damals
diesen Horror ueberleben. Physisch. Und die psychischen Folgen davon, mit
denen muss ich mich bis heute auseinandersetzen.
Ich lernte, perfekt zu luegen, eine perfekte Fassade aufzubauen. Keiner,
der mir begegnete, kam auf die Idee, es koenne irgendwas nicht so sein,
wie es solle. Keiner? Wirklich keiner?
Und die Tatsache, dass ich von gewissen Leuten jetzt massiv unter Druck
gesetzt werde, diese Seite vom Netz zu nehmen, sagt nur eines: getroffene
Hunde bellen.
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Heute genau vor zwei Jahren, am 31.10.2006, hat sich mein Vater in einer Thüringer Stadt öffentlich verbrannt. Er setzte damit ein Zeichen, ganz sicher. Aber was ich mich seitdem unaufhörlich frage, ist: Wofür setzte er ein Zeichen?
Soweit ich weiß, hat niemand außer meiner Erzeugerin (die ganz sicher nicht möchte, daß die wahren Motive ans Licht kommen), den Abschiedsbrief je gesehen. Niemand kann also sagen, ob er sich wirklich aus Angst vor dem Islam auf diese schreckliche Art umgebracht hat. Es mehrten sich in der Zeit nach seinem Tod aber einige Zweifel an der Darstellung, während er von den Evangeliban zu einem Märtyrer hochstilisiert wurde.
Ich könnte mir ein ganz anderes Motiv vorstellen. Natürlich ist mir klar, daß alle, die ihn in den letzten 2 Jahren zum Heiligen erkoren haben, jetzt aufschreien werden. Aber niemand sollte die Augen davor verschließen, daß ich in einem Klima der Doppelmoral, der ins Perverse verkehrten Sittlichkeit und des methodischen Sadismus aufgewachsen bin. Das beweisen die Folgen.
Genau wie alle anderen Menschen, kann auch ich nur spekulieren, warum mein Vater das getan hat. Aber eines ist klar: im Gegensatz zur offiziellen Darstellung seiner ehemaligen Vorgesetzten war mein Vater kein Mann ohne Probleme. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, daß auch er eine Multiple Persönlichkeit war. Daß auch er durch sadistischen Mißbrauch und Mißhandlung als Kind schon seine Seele aufspalten mußte, um zu überleben. Es gibt dafür keine Beweise. Aber jeder, der ihn kannte, kannte seine plötzlichen "Stimmungswechsel", seine plötzlichen Meinungsänderungen, die Brüche in seinem Verhalten. Niemand hat sich je gefragt, warum das so ist. Aber das hat bei mir ja auch niemand getan. Die Fassade war so gut, daß niemand sich vorstellen konnte, daß in dieser Familie nicht alles in Ordnung gewesen sein könnte.
Nun, eines ist klar: Ich selbst bin schon als Säugling mißbraucht und gefoltert worden, so lange, bis meine Seele gezielt in verschiedene Fragmente zerbrochen wurde, die dann für bestimmte Zwecke nutzbar gemacht werden konnten. Denn durch eine glückliche Kindheit, wie ich sie angeblich hatte, wird man nicht multipel. In einer glücklichen - oder wenigstens zumindest nicht schwer traumatisierenden - Kindheit muß man nicht lernen, die Fähigkeit zur Dissoziation zu nutzen. Das tut man nur, wenn man anders nicht überleben kann.
Ich darf nicht sagen, wer mich mißbraucht hat, wer mich gefoltert hat, wer meine Persönlichkeit zerstört hat. Das darf ich nicht, weil in Deutschland alle Gesetze nach wie vor die Täter schützen, nicht die Opfer von Gewalttaten. Und die Haupttäterin ist nach wie vor am Leben und eine gesellschaftlich angesehene Frau. Aber ich denke, ich muß keine Namen nennen. Denn jedem denkenden Menschen ist klar, wer die Möglichkeit hat, sich an einem Säugling zu vergehen, ohne daß die Mutter das Kind schützt. Wer dieses Kind an Männer mit pädophilen Neigungen weiter reichen kann. Wer Liebe und Geborgenheit, das erste Vertrauen auf der Welt geben sollte, anstatt es auf diese Art gründlichst zu zerstören...
Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, daß die wahren Gründe für den schrecklichen Tod meines Vaters eher hier zu suchen sind. Daß er selbst diese Verlogenheit nicht mehr aushielt. Daß er mit diesem "Fanal, das keiner versteht" für sich lieber ein Ende mit Schrecken herbeiführen wollte, als weiter diesen Schrecken ohne Ende zu ertragen. Und daß er die Frau, die die Verlogenheit in Person ist, die sich hinter ihrem Doktortitel als eloquent, gebildet und anständig aufführt, dadurch bestrafen wollte, daß sie mit - - leiden sollte. Nur hat er das ganz sicher nicht erreicht. Denn diese Frau fühlt nicht mit. Mit niemandem. Ich bin der lebende Beweis dafür.
Der Suizid meines Vaters war sinnlos. Aber wahrscheinlich für ihn selbst der einzige noch gangbare Ausweg.
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In den internationalen Traumafachgesellschaften besteht Konsens darueber, dass die entscheidende Ursache für die Entstehung der dissoziativen Identitaetsstoerung in unserem westlichen Kulturkreis im Zusammenspiel von zwei Faktoren liegt:
* Es bedarf einer psycho-biologischen Faehigkeit zur Dissoziation.
* Es muss eine schwere, langanhaltende Traumatisierung hinzukommen, die es erforderlich macht, diese Faehigkeit und den dazugehoerigen veraenderten Bewusstseinszustand vermehrt zu nutzen.
Seit ueber 20 Jahren wird die Diskussion um den physischen und sexuellen Missbrauch von Kindern gefuehrt, der zu den verschiedensten Stoerungsbildern fuehren kann. Als ausloesenden Faktor findet man bei ueber 95 Prozent aller PatientInnen mit DIS eine Geschichte schwerer, langanhaltender fruehkindlicher Traumatisierung in Form von sexuellem, physischem, psychischem und rituellem Missbrauch vor allem im Elternhaus, der zumeist schon vor dem fuenften Lebensjahr begonnen hat. In ueber 80 Prozent der Faelle sind es Frauen, die eine Dissoziative Identitaetsstoerung entwickeln.
Die schwere Traumatisierung wird von dem Kind als lebensbedrohlich und unausweichlich erlebt, so dass fuer ein hoch dissoziationsfaehiges Kind die Moeglichkeit besteht, das Geschehen mit Hilfe des zur Verfuegung stehenden fruehen Abwehrmechanismen der Dissoziation "unschaedlich" zu machen. Dabei blendet es in der Traumatisierung selbst seinen normalen Bewusstseinszustand voellig aus und geht in eine Art tiefer Trance, mit deren Hilfe das Geschehen hinter eine amnestische Barriere "gebannt" wird. Dieses abgespaltene Fragment bewahrt das traumatische Erinnerungsmaterial. Geraet das Kind immer wieder in eine aehnliche Traumasituation, kann das abgespaltene Fragment durch entsprechende (mit der urspruenglichen Situation verbundenen) Ausloeser (trigger) stets auf’s Neue ins Bewusstsein geschwemmt werden. Es ruft den veraenderten Bewusstseinszustand hervor und laesst zunaechst alternierende Bewusstseinszustaende (dissociative states) entstehen, aus denen unter Umstaenden dissoziierte Persoenlichkeitszustaende werden (dissociative fragments). Im Extremfall, das heisst bei fortgesetzter langjaehriger Traumatisierung, entstehen dissoziative Alternativ-Ichs als "eigenstaendige Persoenlichkeiten" (dissociative alters). In diesem Sinne ist die Dissoziative Identitaetsstoerung eine hochkomplexe und differenzierte Anpassungsleistung der Person (bereits als Kind).
Da der dissoziative Vorgang der Abspaltung die (dringend benoetigte) emotionale Erleichterung verschafft, wird er, wie jede andere erlernte erfolgreiche Strategie, in verschiedenen Stresssituationen haeufiger und zunehmend einfacher angewandt. Dabei steht der Zeitpunkt der ersten Spaltung in engem Zusammenhang mit dem Beginn der Traumatisierung, danach entstehende Identitaeten koennen nicht nur "Traumaanteile" tragen, sondern auch dem "unauffaelligen Weiterfunktionieren" dienen zum Beispiel als Innere Selbsthelfer-, Beobachter- oder Beschuetzer-Anteile.
Neben den dissoziativen Faehigkeiten und den Traumatisierungen in der Kindheit durch einen oder beide Elternteile lassen sich in Untersuchungen ueberdurchschnittlich viele Berichte und Diagnosen von psychiatrischen Auffaelligkeiten, Krankheiten oder dissoziativen Stoerungen in der Ursprungsfamilie von PatientInnen mit einer dissoziativen Identitätsstoerung finden (Kluft et al. 1984; Braun 1984, 1985). Diese "Familienpathologie" scheint auf eine familiaer erhoehte Vulnerabilitaet (Anm. von mir: Anfaelligkeit) der Stoerung hinzuweisen, und zwar nicht (nur) aufgrund einer moeglichen biologischen Basis, sondern vor allem wegen des dysfunktionalen und traumatisierenden Familiensystems.
Quelle: INTERNATIONAL SOCIETY FOR THE STUDY OF DISSOCIATION Deutsche Sektion e.V.
Der besseren Lesbarkeit halber habe ich die im Originaltext vorhandenen Quellenverweise ausgelassen, sie sind unter www.dissoc.de nachzulesen.
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Ich habe eine kurze Geschichte geschrieben, in die ich meine Erfahrungen gepackt habe, wie Dissoziationen sind.
Den Unterschied zu "normalen" also assoziierten Empfindungen kann ich erst seit einiger Zeit, und auch nur manchmal, spueren. Und oft genug passiert es noch heute, dass ich Verletzungen am Koerper finde, von denen ich nicht weiss, wie sie entstanden sind, weil ich einfach keinen Schmerz gespuert habe.
Vielleicht vorweg noch eine kurze Erklaerung fuer alle die, die damit nichts anfangen koennen:
""Dissoziation bezeichnet das Abspalten von Gefuehlen als nicht zum Koerper, nicht zu einem selbst gehoerig. Teile des Erlebten werden von anderen psychischen Inhalten getrennt, wenn es ein Uebermass an Angst, Schmerz und/oder Trauer verursacht. Uebermaß heisst hier ein schier unertraegliches Erleben mit dem Gefuehl des sich Aufloesens, (...) inneren oder aeusseren Sterbens.
Dissoziationsphaenomene in verschiedenen Auspraegungsgraden bis hin zum schweren Bild der Dissoziativen Identitaetsstoerung (auch: Multiplen Persoenlichkeitsstoerung) treten als Folge von fruehen Traumata, insbesondere Beziehungstraumata mit sexueller und/oder physischer Gewalt auf. Als ursaechlich fuer die Entwicklung einer Dissoziativen Identitaetsstoerung wird schwere sexuelle Gewalt vor dem 6. Lebensjahr in Verbindung mit extremer Vereinsamung angenommen."" (aus: "Leben in Verschiedenen Wirklichkeiten - Dissoziation und Multiple Persoenlichkeit" Dr. med Marion Seidel)
Du wachst morgens auf und gehst - voellig routinemaessig und ohne darueber nachzudenken - als erstes ins Bad. Du denkst nicht darueber nach, was du tust, folgst der Routine, alles ist wie immer. Dann stehst du ploetzlich vor dem Spiegel. ??? Verwirrung. Denn das Gesicht, das du da siehst, ist nicht deines! Es wirkt voellig fremd und unvertraut auf dich! Und damit fangen die Probleme an. Denn ploetzlich merkst du, dass nichts mehr so ist, wie du es kennst. Beim Waschen spuerst du das Wasser in deinen Haenden nicht. Du merkst gar nicht, dass du darin Wasser auffaengst. Du kannst es nur wahrnehmen, weil du es siehst. Spueren tust du es nicht. Auch im Gesicht spuerst du das Wasser nicht. Du drehst den Hahn ganz auf kalt - mit dem gleichen Ergebnis, du spuerst das Wasser im Gesicht nicht. Erst als du das Wasser ganz heiss drehst, deine Haende schon rot davon werden, spuerst du Waerme. Keine Hitze, Waerme.
Du ziehst dich an, das geht auch ganz routiniert, denn die Sachen liegen schon bereit. Die Schuhe hast du am Abend vorher aber nicht bereit gestellt, jetzt ist es ein schier unloesbares Problem fuer dich, zu entscheiden, welche Schuhe zu diesen Sachen passen. Du hast keinerlei Gefuehl mehr dafuer. Du kannst nicht einmal mehr unterscheiden, ob diese Schuhe nun braun, blau oder schwarz sind. Du siehst nur, dass sie dunkel sind, es ist, als ob du vergesssen haettest, wie Farben aussehen.
Du willst fruehstuecken. Der Kaffee ist heiss, die Broetchen frisch und duftend vom Baecker. Du nimmst nichts davon wahr. Du setzt die Kaffeetasse an die Lippen - dein Partner sagt: Vorsicht, der Kaffee ist kochendheiss!! - du bemerkst nichts davon. Ist das nun Kaffee oder Tee? Du schmeckst es nicht. Auch den Duft der Broetchen riechst du nicht. Du schmeckst sie nicht, es koennte genauso gut auch Pumpernickel sein - fuer dich macht das keinen Unterschied. Nichts dringt zu dir durch. Du bist wie abgekoppelt von deinem Koerper.
Du funktionierst, solange du dabei nicht auf Rueckmeldungen des Koerpers angewiesen bist. Die Treppen, die dir vertraut sind, steigst du wie immer hoch, ohne hinzusehen. Auf dem Treppenabsatz poltert ein grosser Keramik - Blumentopf durch die Gegend und geht kaputt. Du hast ihn ueberhaupt nicht gesehen, weil du das vertraute, in deinem Kopf gespeicherte Bild sahst, wie es hier immer aussieht. Dass hier heute etwas veraendert war, kam nicht bei dir an.
Jemand spricht dich an, dass du einen großen Fleck auf deinem Hosenbein hast. Erst wunderst du dich, wo der her kommt. Dann stellst du fest: es ist Blut. Blut von deinem Schienbein. Das musst du dir vorhin aufgeschlagen haben, als du an den Blumentopf gestossen bist. Gemerkt hast du davon nichts, es tut auch nicht weh.
Im Buero sitzt Du an deinem Schreibtisch. Aber es ist voellig seltsam heute - du kannst dich nicht konzentrieren. Deine Gedanken schweifen ab, wandern ins Nichts. Dir faellt das nicht auf, du gibst dich dem wohltuenden Gefuehl hin, in einer heimeligen Welt zu sein, wo nichts anderes ist ausser dir. Keine schier unloesbaren Anforderungen, keine beunruhigenden Fragen, keine abwertenden Bemerkungen, keine Aengste, gar nichts ist da außer dir. Irgendwann kommt ein Kollege ins Zimmer, dir ist, als wachst du auf, du kommst in die Realitaet zurueck. Siehst auf die Uhr und erschrickst - du hast zwei Stunden dagesessen und vor dich hingestarrt, ohne auch nur zu bemerken, dass die Zeit vergeht.
Ein Mitarbeiter kommt, erzaehlt dir seine Geschichte. Mehrmals musst du ihn unterbrechen und rueckfragen - weil du die letzten Saetze zwar akustisch gehoert hast, dein Verstand aber nicht in der Lage war, das Gesprochene aufzunehmen, zu verarbeiten. Du hattest ihn, ohne das zu bemerken, abgeschaltet, warst wieder im Nichts.
Du hast keine dringenden Termine mehr, gehst nach Hause, weil heute so ein sch... Tag ist. Auf dem vertrauten Weg stellst du fest, dass du irgendwie nicht mehr richtig sehen kannst. Alles, was direkt in deiner unmittelbaren Naehe ist, ist nicht nur nicht spuerbar, sondern sieht aus, wie im Nebel. Je weiter etwas weg ist, desto weniger Nebel ist dort. Dafuer verschwimmen entfernte Dinge, so dass es aussieht, als waere jemand in einem Bildbearbeitungsprogramm mit dem Retuschierpinsel darueber gegangen.
Komisch, heute hoerst du die Voegel gar nicht, es ist doch schoenes Wetter, sind sie nicht da? Dafuer erschrickst du ploetzlich ganz stark. Du stehst ganz nah am Bordstein, ein Auto (das du nicht kommen hoertest) hupt laut und unerwartet. Dein Herz rast, jagt, stolpert, kann sich nicht wieder beruhigen. Du bist voellig außer Atem, fuehlst sich schwach, wie ausgelaugt. Dass man dieses Gefuehl "Angst" nennt, weisst du nicht, du spuerst nur die koerperlichen Erscheinungen, wie immer, wenn irgendetwas passiert in deinem Leben. Kaum reicht deine Kraft, um nach Hause zu kommen. Mit gewaltiger Willensanstrengung schaffst du es.
Du willst dir etwas Gutes tun, laesst dir die Badewanne ein. Hm, du hast den Hahn auf die gewohnte Stellung gedreht, aber das Wasser muss heute wohl sehr kuehl aus der Leitung kommen, denn du frierst. Also drehst du heisses Wasser dazu, bis du angenehme Waerme spuerst. Sonderbar ist nur, dass deine Haut ganz rot wird... Aber heute ist ja einiges sonderbar. Du laesst noch mehr warmes Wasser hinzu, bis du dich richtig wohlig warm fuehlst. Wieso die Haut so rot wird, ist eigentlich nicht so wichtig, du hast einen neuen Badezusatz, vielleicht vertraegst du ihn nicht... Erst als du aus der Wanne steigen willst, stellst du fest, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Ploetzlich versagt dein Kreislauf, dir wird schwindlig, du musst dich auf den Boden setzen. Dein Partner kommt, hilft dir, frottiert dich ab. Du spuerst das nicht, bittst darum, dass er stearker aufdrueckt, bis er protestiert und sagt, dass das ja sogar ihm wehtue! Fuer dich fing die Beruehrung gerade an, ueberhaupt wahrnehmbar zu werden. Dein Partner greift in das Badewasser, will den Stoepsel heraus ziehen, mit einem Schrei zieht er seine Hand zurück und faengt an zu schimpfen, ob du denn verrueckt waerst, das Wasser so heiss zu machen? Kein Wunder, dass dein Kreislauf schlapp mache und deine Haut so rot sei! Wie du das denn überhaupt ausgehalten haettest, will er wissen. Dir ist das alles ein Raetsel. Viel zu heiss? Es war doch nur schoen warm!
Alles, was du tust, wird davon beeinflusst, dass du deinen Koerper nicht spueren kannst. Soweit du ihn nicht siehst, ist es, als waere er nicht vorhanden.
Gefuehle - das sind Sachen, von denen du weisst, dass es sie gibt. Aber du spuerst heute keine. Nichts, gar nichts geht dich etwas an, beruehrt dich, dringt zu dir durch.
Du bekommst einen Anruf, dass deine Freundin, die schwer krank war, gestorben ist. Es scheint dir ueberhaupt nichts auszumachen. Du fuehlst keine Traurigkeit, du empfindest nichts, es scheint nicht wichtig, nicht real zu sein. Das Einzige, was du spuerst, ist eine riesengroße, bleierne Schwere und Kraftlosigkeit.
Das ist Dissoziation.
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Ihr werdet Euch sicher fragen, warum wir da nun so ein grosses Gewese draus machen, dass wir viele in einem Koerper sind.
Das eigentlich Dramatische ist ja die Zeit, bis man als Multiple Persoenlichkeit erkannt wird und Hilfe bekommt, miteinander leben zu lernen. Meist sind die Gastgeberpersoenlichkeiten so sehr von allen anderen Innenpersonen abgeschottet, dass sie von deren Existenz gar nichts bemerken. Das heisst, die Widerspruechlichkeiten, scheinbaren oder wirklichen Luegen, Auffaelligkeiten, all das bemerkt jeder andere, aber die Gastgeberperson nicht. Sie ist fuer alles andere amnestisch, sie bekommt nichts davon mit, wenn Innenleute nach vorn kommen und handeln. Sie steht dann da, wird von der Umgebung damit konfrontiert, Dinge getan zu haben, Sachen gesagt zu haben, an die sie sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Sie hat einen großen Teil der Zeit keine Kontrolle ueber "ihr" Handeln. Je nachdem, wie ein System dann organisiert ist, kommt es im Alltagsleben mehr oder weniger gut zurecht. Es gibt Systeme, die sind in der Lage, normal arbeiten zu gehen, auch wenn es mit riesen Kraftaufwand verbunden ist. Viele Systeme schaffen das aber nicht, weil der damit verbundene innere Stress (der nicht gleichzusetzen ist mit dem, was Stress fuer normale Leute bedeutet) zu hoch ist. Stress im Innen ist es fuer ein System immer dann, wenn es darauf achten muss, zu funktionieren, nicht erkannt zu werden, nicht so gut im Hier und Jetzt orientierte Innenpersonen daran zu hindern, nach aussen zu kommen. Also: Stress im Innen ist jeder Konktakt mit anderen Menschen.
Ihr koennt Euch ohne Schwierigkeiten vorstellen, was passiert, wenn der erwachsene Koerper sich auf Arbeit ploetzlich wie ein kleines Kind benimmt, Mitarbeitern und Vorgesetzten im schlimmsten Fall die Zunge rausstreckt...
Auf der Startseite haben wir eine Situation geschildert, wie sie multiplen Kindern alltaeglich passiert. Das wird ja nicht besser. Immer muss es Ausreden dafür erfinden, daß es bestimmte Dinge getan hat, von denen es womoeglich nichts weiß.
Uns ist einmal folgendes passiert:
Ich kam ploetzlich zu mir - alles was vorher passiert ist, weiss ich nicht - als ich irgendwo am Strassenrand stand. Ich hatte keine Ahnung, wo ich bin. Ich sah mich um, es musste ein Autobahnparkplatz sein. Wie kam ich da hin, wo war ich ueberhaupt? Null Erinnerung. Gar nichts. Was tun? Keine Tasche, keinen Rucksack, kein Schluessel, kein Handy, nichts hatte ich bei mir. Was tun? Ich steige nun auch nicht gerade gern bei Fremden Leuten ins Auto ein.
Ich stellte mich an die Autobahn, in der Hoffnung, dass ein Polizeifahrzeug vorbei kommt. Irgendwann hatte ich Glueck, ich winkte, sie hielten an. Ich bat um Hilfe. Logisch, es folgt sofort die naheliegende Frage, was denn los waere. Aber wenn ich nun die Wahrheit erzaehle, naemlich dass ich nicht weiß, wo ich bin, und wie ich da hin gekommen bin, werde ich bestenfalls als verrueckt eingestuft und stehen gelassen, schlimmstenfalls in die Psychiatrie eingewiesen. Da ist ein System dann auf seine Faehigkeit angewiesen, Ausreden zu erfinden, die moeglichst nicht durchschaubar sind. Damals hatte ich ja noch keinen Schimmer, daß ich die Gastgeberin eines Systems bin, irgendwo her kam nur ploetzlich ein Einfall: "Ich habe mit meinem Mann Streit gehabt, er sei an der Raststelle ohne mich weitergefahren, meine persoenlichen Sachen seien alle im Auto geblieben..."
So landete ich also schließlich in Chemnitz. Meine Angaben wurden überprueft, ja, eine Person dieses Namens gab es unter angegebenen Adresse, in der Schule wurde bestaetigt, dass meine Angaben zu meinen Kindern richtig seien.
Nun mussten wir nur noch von Chemnitz nach Hause zurueckkommen. Ein Beamter dort borgte mir Geld, so daß ich mir eine Fahrkarte kaufen konnte. Eigentlich ein Risiko fuer ihn, denn ich hatte ja keine Ausweise, nichts, er hatte keine Gewaehr, dass er das Geld jemals wieder zurueck bekommt.
Ich fuhr mit dem Zug nach Hause, ging in die Schule meiner Soehne, holte den Wohnungsschluessel ("Ich brauche deinen Schluessel, hab mich aus der Wohnung ausgesperrt...").
Zu Hause war tatsaechlich alles da, Rucksack mit Ausweis, Portemonaie, Handy, Schlussel, alles lag an seinem Platz.
Was passiert ist, wer von uns warum vermutlich Richtung Chemnitz getrampt ist - ich habe es bis heute nicht herausbekommen. Dem freundlichen Beamten in Chemnitz habe ich das Geld zurueckgeschickt mit einem kleinen Dankeschoen. Fuer ihn werde ich immer die Frau sein, deren Mann sie nach einem Streit einfach an der Autobahn stehen liess. Obwohl ich das selbst für eine Phantasieausrede halte, denn ich lebte damals schon lange von meinem Mann getrennt. Aber wie gesagt, was wirklich passiert ist, weiss ich nicht, wissen wir nicht.
Ida
Wer ist betroffen?
danke
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